Berichte

Auf den Spuren Maximilians in Bozen

Ein Stadtrundgang „mit“ Kaiser Maximilian I.

Bozen (pka). Genau vor 500 Jahren verstarb Kaiser Maximilian I. in Wels, Grund genug, um sein Wirken und seinen Einfluss auf die Entwicklung Bozens ein bisschen näher zu beleuchten.

Der Präsident des Heimatschutzvereins Bozen Südtirol, Helmut Rizzolli, konnte dazu kürzlich eine stattliche Schar an geschichtlich Interessierten vor dem heutigen Naturkundemuseum willkommen heißen: „Es wird heute noch vielfach als Maximilianhaus bezeichnet, denn seinerzeit, man schrieb das Jahr 1490, wurde es von Erzherzog Sigmund dem Münzreichen errichtet und auf Weisung von Maximilian 1502 von einem Amtsmann bezogen. Das Gebäude war an einem strategisch wichtigen Punkt, man hatte einen guten Überblick über das gesamte Gelände, denn es diente ja als Zolleinhebung. Gerade für den Wein mussten ja Abgaben, so genannte Politen, also Einfuhr- wie Ausfuhrsteuern, entrichtet werden.“ Das ursprüngliche Eingangstor wurde durch ein gläsernes ersetzt, auch sonst sei einiges verändert worden, aber nicht immer zum Besseren, meint Rizzolli.

 

„Maximilian ist ja bekanntlich sehr eng mit Schloss Runkelstein verbunden, insbesondere der profane Freskenzyklus, den er restaurieren ließ, begeisterte ihn. Auch ließ er das Heldenbuch in einem für alle verständlichen Deutsch verfassen, eine zeitgemäße Sprache, die vor allem von Martin Luther, der ja in derselben Zeitepoche lebte, nachhaltig geprägt wurde“, erklärt Rizzolli.

Bemerkenswert ist im ersten Stock des Amtshauses der Erker, wo das Reichswappen abgebildet ist. Maximilian könne auch als Medienkaiser bezeichnet werden, denn er wusste sich ins rechte Licht zu rücken. Durch seine Heiratspolitik, insbesondere in Spanien, war er imstande, seinen Einfluss und seine Machtposition in weiten Teilen Europas auszudehnen.

Nach dem Besuch des Amtshauses (heutiges Naturkundemuseum) führte der Rundgang weiter zum Kornplatz, „eindeutig ältester Platz der Stadt und Teil der bischöflichen Burg, die durch die Laubengasse gut abgesichert wurde. So sind beispielsweise Kapellen stets an den schwächsten Stellen errichtet worden, denn diese wurden von Feinden nie zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen, denn man fürchtete den Kirchenbann“, fährt Rizzolli fort.

Vorbei am Waaghaus konnten die Innenräume der am Kornplatz befindlichen Alpenbank besichtigt werden, in damaliger Zeit diente dieses Gebäude als Bozner Zentrale der mächtigen Fugger-Kaufleute. „Hier sehen wir noch einen kleinen Rest einer gotischen Balkendecke, besonders mit Jakob Fugger wurden weitreichende Geschäfte über Silberlieferungen auch weit über Europa hinaus und mit Kupfer abgewickelt, wo die Fugger praktisch ein Monopol besaßen“, erklärt Rizzolli.

 

 

Mattinee mit der Musikschule Bozen auf Schloss Runkelstein

„Ich bin ein bedeutender Fürst Europas“

BOZEN (pka). Es ist immer wieder erstaunlich, was Forschungen zur europäischen Geschichte
im Laufe der Zeit ans Tageslicht bringen. Und dass es immer wieder enge Verbindungen
zu unserem Land und geschichtsträchtigen Orten gibt, wie es nun beispielsweise Schloss Runkelstein ist.
So lud kürzlich der Heimatschutzverein Bozen Südtirol unter Obmann Helmut Rizzolli, zusammen mit der Musikschule Bozen, in die „Bilderburg“, um den Spuren des „letzten Ritters“, wie Maximilian I. genannt wurde, zu folgen. Begonnen wurde die Matinee mit dem bekannten Lied „Innsbruck, ich muss dich lassen“ von Heinrich Isaac.

Helmut Rizzolli (links im Bild) und Florian Hofer erläuterten den nahen
Bezug von Kaiser Maximilian I. zu Schloss Runkelstein. pka

Die Urfassung stammt aus dem Jahr 1495 und sollte das Leben und die Stimmung Maximilians in jener Zeit widerspiegeln. „Maximilian wurde 1508 Kaiser. Zuvor war er Herzog von Burgund und wurde 1486 römisch-deutscher König. Am 4. November 1501, also noch als König, kam er erstmals nach Runkelstein. Er hatte sogleich eine enge Beziehung zu dieser Burg, er bezeichnete sie auch als sein Schloss“, erklärte Rizzolli. Im Inventar scheinen ein Schreibtisch mit einem Vorhängeschloss, eine Bettstatt mit einem Himmel, ein sogenannter Fladerer Kasten (Maßwerk), eine Truhe, eine kleine Orgel mit Blasebalg, ein Gablerspieß (um sich wehren zu können) und 3 Schemel für das Bett auf. „Was Maximilian sehr faszinierte, waren die 9 Helden des Altertums. Sie inspirierten ihn sein ganzes Leben lang. Man muss dabei bedenken, dass die vorhandenen Fresken bereits etwa 100 Jahre vor Maximilians Besuch durch das Geschlecht der Herren von Vintler geschaffen wurden“, sagte Rizzolli. Schloss Runkelstein sei zu einem
Schlüsselerlebnis für den Kaiser geworden. Er habe nämlich den Bozner Zöllner Hans Ried, der des Mittelhochdeutschen mächtig war, beauftragt, in einer Sammlung die mittelalterlichen Heldenepen zusammenzutragen und zu übersetzen. Das als „Ambraser Heldenbuch“ bezeichnete Werk enthält mehrere Hundert Pergamentblätter, in denen neben dembekannten Nibelungenlied auch viele andere höfische Erzählungen Eingang fanden. „Maximilian lässt auch die Fresken erneuern. Sie werden aber nicht verändert, einzig sein Wappen und seine Familie bringt er mit ein“, ergänzte Rizzolli. „Ich erinnere auch daran, dass auf seinen Münzen die Worte eingeprägt waren: ‚Ich bin ein bedeutender Fürst Europas‘ und dies vor 400 Jahren. Man sieht, wie weitsichtig Kaiser Maximilian schon damals war“,meinte Rizzolli Besichtigt und erklärt von Helmut Rizzolli und Kunsthistoriker Florian Hofer wurden weiters das Badezimmer, das Jagdzimmer und das Sommerhaus. Die Schüler der Musikschule Bozen – neben Petra Sölva warenHelga Bohnstedt und Johanna Springeth als Gitarren- und Blockflötenlehrerinnen mit dabei – begleiteten stimmig den aufschlussreichen Rundgang in der „Bilderburg“. ©Alle Rechte vorbehalten

Kaiser und Erzfeind Venedig

Prominente Begleitung durch das ehemals übermächtige Venedig: Landtagspräsident Thomas Widmann und seine Frau Alberta, eine gebürtige Venezianerin, waren Gastgeber bei einer Fahrt des Bozner Heimatschutzvereins in die Lagunenstadt. Das Motto, unter dem der Tag stand: Maximilian und das unbesiegbare Venedig.

Ein Blick zurück: Der Konflikt zwischen den Habsburgern und Venedig erreichte vor 500 Jahren einen Höhepunkt: Maximilian I. wollte sich 1508 vom Papst zum Kaiser krönen lassen, doch das nördliche Italien befand sich weitgehend im Besitz seiner zum Teil erbitterten Feinde, nicht zuletzt Venedig.

Maximilian war gezwungen, einen Kompromiss zu akzeptieren: Er verzichtete auf die Krönung durch den Papst und proklamierte sich in Trient zum „Erwählten Römischen Kaiser“.

Wenige Monate später, im Herbst des Jahres 1508, schließen sich der frisch gebackene Kaiser, Frankreich, Spanien und der Papst zur Liga von Cambrai zusammen, um die Landmacht Venedigs auszuschalten. Verona und Padua fallen in die Hand des Habsburgers, doch schlussendlich siegen die Diplomatie – und die wirtschaftliche Vormacht der Republik Venedig.

Von den Kriegszügen und Ereignissen dieser Zeit zeugt unter anderem eine Tafel am Grabmal des großen Dogen Leonardo Loredan. Sie ist in einer der prächtigsten Kirchen der Lagunenstadt, San Zanipolo, die den Märtyrern Giovanni e Paolo geweiht ist, zu sehen.

Hier und am beeindruckenden Arsenal im Nordosten der Stadt, wo vor 500 Jahren die Kriegsgaleeren gegen die Türken und Spanier als Reserve bereit lagen, hat die 30-Köpfige Gruppe des Heimatschutzvereins Bozen hautnah die ehemalige Größe Venedigs erfahren.

Obmann Helmut Rizzolli erklärte geschichtliche Details und größere Zusammenhänge. So kam nicht zuletzt die strategische Lage Tirols zur Sprache. Auch die reichen Silberbergwerke, auf die Kaiser Maximilian I. Zugriff hatte, spielten in der Auseinandersetzung Habsburg-„Serenissima“ eine größere Rolle.

Matinee auf Schloss Rodenegg

Schloss Rodenegg ist das zweitgrößte Schloss Südtirols und eine Besichtigung der Infrastruktur der Anlage lohnt sich. Der größte Schatz der Burg ist jedoch kunsthistorischer Natur und lockt seit den späten 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, viele Liebhaber der Kunst an.

Aus dem Anlass der erst vor kurzem freigelegten Fresken der romanischen Kapelle, hat der Heimatschutzverein eine Matinee organisiert. An dieser Stelle möchten wir als Heimatschutzverein Bozen, den gräflichen Familien Thurn und Taxis und Wolkenstein-Rodenegg für die Erlaubnis dieser Matinee, herzlich bedanken.

Bis man zum Kern des Schlosses gelangte, führte Dr. Dr. Prof. Helmuth Rizzolli durch die Teile der Wehranlagen und gab Erläuterungen bezüglich der Entstehungsgeschichte des Schlosses, sowie der historischen Herrschaftsverhältnisse. Schließlich kam man zum Trakt der berühmten Ywein Fresken, sowie der Kapelle. Nach den hochkarätigen Musikeinlagen seitens mehrerer Musiker und Sänger der Musikschule Bozen, gab es eine Führung von der Direktorin des Amtes für Bau- und Kunstdenkmäler: Dr. Waltraud Kofler Engl, welche die “neue-alte“ Kapelle vorstellte.Das Amt für Bau- und Kunstdenkmäler hat die romanische Burgkapelle von Rodenegg über mehrere Jahre restauriert.Die mittelalterliche Burgkapelle an der Ostseite der Burg, wurde um 1580 aufgelassen und von Befestigungsmauern und einem barocken Gewölbe verbaut.

Rodeneck2007 gab der damalige Landeskonservator Helmut Stampfer einen ersten Auftrag zur Restaurierung. Der Malereifund zeichnet sich durch eine außergewöhnlich gute Freskotechnik und die Verwendung des teuren Lapislazuli aus und ist in das zweite Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts zu datieren. Er stammt mit Sicherheit von einer anderen Malerhand als der in etwa zeitgleich entstandene Ywein-Zyklus.

In der Apsis-Wölbung hat sich das Fragment des Christus, in der Mandorla erhalten. Die am besten erhaltenen Partien befinden sich im oberen Register mit der Mantelspende des heiligen Martin aus einem ehemals größeren Martinszyklus. Von hoher Qualität und Ausdruckskraft ist die muskulöse männliche Figur mit gezopftem Barthaar in der Sockelzone, die in gebeugter Haltung nach dem Vorbild des mythologischen Riesen Atlas die Last des Himmelsgewölbes trägt.

Die Ywein Fresken sind das europaweit älteste erhaltene Zeugnis ritterlich höfischer Wandmalerei. Sie sind fast die einzigen profanen Fresken der Romanik, welche eine besonders hohe künstlerische Qualität aufweisen. Die Fresken handeln vom ersten Teil des Ywein-Romans des Hartmann von der Aue aus dem frühen 13. Jh.

Tagesausflug zum Felderhof (Villanders) und Kulturreise nach Piemont

Der Heimatschutzverein Bozen Südtirol besuchte moderne Architektur im ländlichen Raum und war auf den Spuren von König Artus in Piemont, nach dem Motto „man kann nur schützen was man kennt“ unterwegs.
Zwei wichtige Veranstaltungen standen im Programm des Vereins und ergänzten sich mit deren Themen “Land und das Kulturleben der Adeligen“.
Im Februar besuchte der Heimatschutzverein, zusammen mit der Architekturstiftung Südtirol, als Tagesfahrt den Felderhof in Villanders. Der Paarhof in Villanders erweckte das Interesse unserer Programmverfasser. Der Besitzer und Bauherr Thomas Erlacher bewies nämlich eine besondere Sensibilität für das Bauen in Zusammenhang mit historischer Bausubstanz im Alpenraum. Er verwirklichte zusammen mit dem Architekten Pavol Mikolajcak einen Neubau zum Paarhof. Dieser Neubau zeichnet sich dadurch aus, dass er seine Modernität nicht verbirgt, jedoch auch (oder vor allem) den historischen Charakter des alten Paarhofs und die umliegende Landschaft respektiert. Er ist sichtbar, jedoch wirkt nicht aufdringlich. Auch die Innenarchitektur war dem Charakter des jeweiligen Gebäudes angepasst. Das alte Haus versprüht die gemütliche Atmosphäre von Ofen und Stube, der Neubau hingegen dient dem praktischen Wohnen. Um das Erscheinungsbild des Paarhofs noch besser zu wahren, ist der Neubau durch eine Art Schleuse zum alten Gebäude verbunden. Diese architektonische Leistung kann als vorbildhafte Verwirklichung des architektonischen Konzepts des Heimatschutzes gelten.
Thema der drei Tätigen Kulturreise im März war „König Artus in Piemont“. Nicht nur in der Bozner Bilderburg Runkelstein, sondern auch im Piemont, haben sich Zeugnisse der höfischen Artusliteratur erhalten. Genau am westlichen Ende des Alpenkamms befindet sich diese Region, die hochwertige Kunstschätze und Spuren der ritterlichen Kultur aufbewahrt. Die Wandmalereien von ca.1400, die als die bedeutenden gotischen Fresken des Castello della Manta zu bezeichnen sind, stellen wie im Schloss Runkelstein, die neun guten Heldenfiguren dar, die zwischen Legende und Geschichte als Vorbild für den mittelalterlichen Adel dienten.

Als besuchenswert bot sich zunächst das Museo Civico in Alessandria an. Dabei handelt es sich um den ca.1400 entstandenen Lanzelot -Zyklus aus Frugarolo, der ein Beweis von der Verbreitung der Artusromane im norditalienischen Raum ist. Hier erinnerten diese Fresken wieder einmal an die Ähnlichkeiten der Wandmalereien des Runkelsteiner Sommerhauses.
Piacenza diente als Zwischenstopp von der Rückfahrt nach Bozen, wo die Mitglieder des Vereins die Kuppel der Kirche Madonna in Campagna und die Renaissance -Fresken von Giovanni Antonio dè Sacchis betrachten.
Der Verein organisiert im Monat Mai die nächste Veranstaltung zum Thema
„Romanische Neufunde in der alten Burgkapelle von Rodenegg“ und ladet alle interessierten Mitglieder ein.

Studienreise Sachsen-Anhalt und Thüringen

Auf den Spuren Luthers reisten die Mitglieder des Heimatschutzvereins im Juni 2017 für einige Tage durch Sachsen-Anhalt und Thüringen. Traumhafte Einblicke in die vielseitige Kultur- und Naturlandschaft Mitteldeutschlands sind das Ergebnis.

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Weimar Theater Gruppe

Schlösser in Schlesien

Anlässlich einer Tagung in Zusammenarbeit mit dem deutsch-polnischen Verein für Kunst und Kultur kam es zu einem Zusammentreffen von Prinz Franz-Friedrich von Preussen, Obmann Helmut Rizzolli, Landesrat Florian Mussner und Gemeinderätin Johanna Ramoser.

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Ketzer in der Lagune

Venedig ist im Winter mit jenem melancholischen Charme bemäntelt, der über die Jahrhunderte so viele Literaten; Künstler und Heimatschützer angezogen hat...

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Pfarrkirche Rentsch

johann-ulrich-glantschnig-hl-laurentius-hl-apollonia-rentsch-webAuf Initiative von Johanna Ramoser, Gemeinderätin aus Rentsch und Vorstandsmitglied des Heimatschutzvereins Bozen, veranstaltete der Verein vor kurzem eine Führung durch die Rentscher Pfarrkirche St. Laurentius.

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